Das Hildegard Thema dieses Jahres geht dem Ende zu.

Es war nicht immer leicht, aus der Vielfalt der Pflanzen zu wählen. Das erging mir auch mit dem Dezember so.

Trotzdem habe ich eine weitere, interessante Pflanze, besser gesagt, deren Frucht gefunden, die Hildegard von Bingen in ihrer Zeit zu schätzen wusste und einsetzte: Die Maroni.

Hmmm, ich liebe den Duft von heiĂźen Maroni an kalten Wintertagen. Ich esse sie aber nicht nur, weil ich sie sehr fein finde sondern auch weil ich weiĂź, wie gesund die braunen veredelten Esskastanien sind.

Esskastanien sind trotz der Kalorien leicht verdaulich, beinhalten neben Kohlehydraten und Stärke die Vitamine A, B1, B2, B3, B6, C und E auch Eisen, Zink, Kupfer, Mangan, Magnesium, Kalzium, Phosphor, Schwefel und Kalium. Sie beinhalten auch Aminosäuren und Trytophan, welches hilft, zu entspannen. Da Fructose und Glukose fehlen, eignet sich die Maroni sehr gut für die Diabetikerkost! Als basische Nahrung sind sie gut für Rheumatiker und Vielfleischesser geeignet da sie die Säurelast im Stoffwechsel mindern. Auch Menschen mit Blutarmut profitieren von den Maroni. Heute weiß man, dass Maroni Venenschwäche vorbeugen, Venenentzündungen eindämmen und das Blut flüssiger machen. Die beteiligten Substanzen sind noch nicht erforscht. Laut chinesischer Medizin stärkt die Maroni Beine und Hüften, ist also für die älteren Semester unter uns gut geeignet.

Die braune Frucht wird dem Milz-Pankreas -, Magen- und Nieren- Meridian zugeordnet.

Was die Venen anbelangt, riet Hildegard den Menschen dazu, einen Stock aus Maroniholz in der Hand zu halten. Dieses würde sich erwärmen, diese Wärme an die Venen weitergeben und die Körperkräfte würden gestärkt werden. Selbst der Duft des Baumholzes wurde genutzt um das Gehirn gesund zu erhalten. Eine nützliche Eigenschaft der Pflanze, die uns auch heute gut tun könnte….

Während wir die heißen Maroni am liebsten aus der Schale essen oder vielleicht eine gute Suppe daraus kochen, dienten im Mittelalter die Früchte der Esskastanie, die übrigens mit Eichen und Buchen verwandt ist, den Menschen vor allem in Form von Mehl, der Brotzubereitung. Karl der Große hat um 800 nach Chr. den Anbau von Esskastanienbäumen sehr gefördert, um die Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Zu dieser Zeit wurden  viele Bäume in Klöstern angepflanzt. Es ist daher anzunehmen, dass die Äbtissin vom Rhein die Maroni aus ihrer unmittelbaren Umgebung kannte.

Jedenfalls spielte für Hildegard die Maroni in ihrer Heilkunde eine große Rolle. Sie nannte die Esskastanie gar ein „Universalmittel“. Das bedeutet in ihrer Sprache, dass die Esskastanie uneingeschränkt für jeden Menschen gesund ist.

Hildegard sagte: „ Die (Ess-)Kastanie ist ihrer Natur nach sehr warm. Sie hat eine große Kraft in sich, die der Wärme beigemischt ist und bezeichnet die Weisheit. Und alles was in ihm ist, und auch seine Frucht, ist sehr nützlich für den Menschen.“  Zugegeben, das ist ein, für heutiges Verständnis, schwieriger Satz….

Zu ihrer Zeit nutzte die große Heilerin die Maroni bei Milzschwäche, schwachem Geist und Konzentrationsschwäche, bei Nervenschwäche, zur Stärkung des Herzens, bei Venenschwäche und Gicht.

Zu letzterer Erkrankung meinte sie: „ Wer gichtgefesselt und deshalb jähzornig ist, – Gicht ist nämlich immer beim Zorn-, koche HĂĽlsen, FrĂĽchte und Blätter der Edelkastanie in Wasser und mache daraus ein Dampfbad, aber oft, und die Gicht wird weichen und der Mensch wird friedlich“

Selbst ungekocht, also roh, wurden die Kerne der Esskastanie benutzt. So vermerkte Hildegardis:

„Wer im Herzen Schmerzen leidet, sodass seines Herzens Stärke keine Fortschritte macht, so dass er traurig ist, esse oft die rohen Kerne und das gießt seinem Herzen gleichsam einen Schmelz ein und er gelangt zu Stärke und Frohsinn“

( Gegen den Verzehr der rohen Maroni spricht auch aus heutiger Sicht nichts, allerdings sollten sie bereits ein paar Tage gelagert worden sein und sehr gut gekaut werden. )

 

Auch für die Milz, die unsere „Blutmauser“ vornimmt, sind die schmackhaften Kerne gesund:

„Wer an Milzschmerzen leidet, röste die Kerne etwa im Feuer, esse sie oft mäßig warm und die Milz wird warm und bestrebt sich völliger Gesundheit.“

Die Ă„btissin von Bingen empfahl nicht nur den Duft des Holzes fĂĽr das Gehirn, wie Sie es oben lesen konnten. Auch die gekochten FrĂĽchte sollten dem Gehirn dienlich sein. Dazu notierte sie:

„ Ein Mensch, dem das Gehirn durch Trockenheit leer ist, und der davon im Kopf schwach wird, koche die inneren Fruchtkerne dieses Baumes in Wasser und gebe sonst nichts dazu. Und wenn das Wasser ausgegossen ist, soll er sie oft nüchtern und nach dem Essen nehmen, und sein Hirn wächst und wird gefüllt und seine Nerven werden stark, und so wird der Schmerz im Kopf weichen.“

Welch ein Glück, dass wir in unseren Tagen die Esskastanie von Oktober bis in den März hinein zur Verfügung haben. Eine solch schmackhafte Medizin sollte sich niemand entgehen lassen.

 

 

Im Sinne Hildegards wĂĽnsche ich Ihnen nun beste Gesundheit und guten Appetit!!!

 

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