Andorn

Im Jahr 2018 war Andorn die Arzneipflanze des Jahres. Neben Gerbsoffen, Flavonoiden und ätherischen Ă–len weist das „Helfkraut“ einen hohen Bitterstoffgehalt auf.

Marribum vulgare L, so sein botanischer Name, ist von Alters her vor allem ein Kraut gegen HUSTEN. Trotz seiner Eigenschaft, zähen Schleim zu lösen und den Auswurf zu fördern, ist er heute nahezu in Vergessenheit geraten.

Dabei ist seine Anwendung bei der Behandlung von viralen, fieberhaften Infekten durchaus gewinnbringend. Auch die Behandlung von Keuchhusten oder Asthma gehört zu seinen Anwendungsgebieten und die Hemmung von Bakterien durch seine Gerbstoffe erweitert sein Wirkspektrum im Hinblick auf Folgeentzündungen.

Das Andornkraut hat eine lange Erfolgsgeschichte hinter sich. Bis in die frĂĽhe Neuzeit hinein fand es breite Anwendung. Bereits Dioskurides beschrieb in der „Materia medica“ im ersten Jahrhundert nach Christus, dass das Kraut den Schleim aus der Lunge herausfĂĽhrt. Er nannte auch den Einsatz bei Asthma, Ohrenleiden und GeschwĂĽren.

Selbst Vegiftungen sollen mit Andorn behandelt worden sein. So ist es zumindest durch Walahfried Strabo, dem berĂĽhmten Abt des Reichenauer Klosters, ĂĽberliefert. Er wollte damit die Menschen vom „Gift der SchwiegermĂĽtter“ befreien. Der Grund hierfĂĽr lag wohl in der leberstärkenden Wirkung.

Von der Behandlung bei Vergiftungen möchte ich an dieser Stelle allerdings ganz deutlich warnen und in diesem Zusammenhang dringend auf die Giftnotrufzentrale verweisen.

Wenn es aber darum geht, die körpereigene Entgiftung anzukurbeln ist Andorn bestens geeignet!

Im Mittelalter fand die Mariennessel, wie Andorn auch genannt wurde, vor allem durch seine schleimlösende und entkrampfende Wirkung, seinen Eingang in die Physica der Äbtissin Hildegard von Bingen. Auch sie zählte den Andorn zu den Hustenkräutern.

Im Gegensatz zu heute, wo wir viele Kräuter in Wasser als Tee zu uns nehmen, wurden Kräuter im Mittelalter wegen der besseren Herauslösung von Inhaltstoffen in Wein oder wegen der fettlöslichen Anteile in Milch ausgekocht und so verwundert auch Hildegardis`Zitat ( im Satzbau leicht abgewandelt ) zum Andorn nicht:

„Und wer in der Kehle ein Kratzen verspĂĽrt, der koche Andorn in Wasser und seihe jenes Wasser durch ein Tuch. Er gebe zweimal soviel Wein bei und lasse es nochmal in einer SchĂĽssel aufkochen unter Beigabe von genĂĽgend Fett und so trinke er es oft und er wird in der Kehle geheilt werden.“

Hildegard empfahl den Andorn auch bei kranken Eingeweiden.

„Wer kranke oder gebrochene Eingeweide hat, koche Andorn mit Wein unter HinzufĂĽgung von reichlich Honig, lasse es nach dem Kochen in dem Topf und trinke davon oft, nachdem es abgekĂĽhlt ist. Es heilt die Eingeweide.“

Auch diese Indikation hat, zumindest was Verdauungsbeschwerden anbelangt, bis heute ihre GĂĽltigkeit.

Hildegard schrieb auch, Zitatauszug:

„Wer an Husten leidet, der nehme Dill und Fenchel zu gleichen Teilen, gebe ein Drittel Andorn hinzu und koche das Ganze mit Wein. Dann seihe er es ab und trinke es so wird der Husten aufhören. Der Husten kommt nämlich von einer schmerzenden Lunge und Leber. Diesen Schmerz lindert der Andorn….“

„Andorn ist warm und hat reichlich Saft…. hilft gegen verschieden Krankheiten …( Taubheit, HalsentzĂĽndung, Husten, verletzte Eingeweide )“ Dazu gab es ein Dampfrezept fĂĽr taube Ohren.

Jahrhunderte später nannte Paracelsus den Berghopfen auch „Arzt der Lunge“ und nahm die Anwendung bei Husten etc. mit in seine Behandlungen auf.

Für alte und schwache Menschen mit chronischem Husten hat sich  Andorn durch seine stärkende Wirkung bis heute bewährt.

 

Es ist nicht weiter erstaunlich, dass der „weiĂźe Dorant“ in der Klostermedizin ĂĽber Jahrhunderte seinen festen Platz in den Klostergärten und der Pflanzenheilkunde fand. Heutzutage ist dies leider selten der Fall. Dabei ist das aus SĂĽdeuropa stammende Kraut leicht zu kultivieren. In meinem Garten steht es nun in der 3. Saison und ich freue mich stets darĂĽber, wenn ich danach sehe oder etwas davon fĂĽr Anwendungen ernte.

Doch welche der ĂĽberlieferten Anwendungen ist heute anerkannt? Immerhin ist der Andorn eine zugelassene Arzneipflanze….

Die moderne Pflanzenkunde begründet die schleimlösende Wirkung dieses Krautes mit dem hohen Bitterwert der Pflanze. Durch das Marrubiin werden die Bronchien erweitert, in der Folge die Sekretion gefördert und das Abhusten erleichtert und es kommt zu einer verbesserten Sauerstoff- aufnahme. Durch eine relativ neue Erkenntnis, dass auch das Bronchial- system Bitterrezeptoren in den glatten Muskelzellen hat, lässt sich dieser Sachverhalt gut erklären.

Diese Bitterstoffen und auch die enthaltenen Saponine, wirken sich nicht nur auf die Atemwege aus sondern auch auf den Verdauungstrakt. Und wie schon so oft, bestätigt sich die Erfahrung, dass ein Kraut, dass auf die Lunge wirkt, meist auch auf den Darm wirkt und umgekehrt.

In einem Beitrag der Universität Münster zum Andorn steht zu lesen, dass eine Studie in USA festgestellt hat, dass eine Stimulation der Bitterrezeptoren durch die Stärkung des Immunsystems Infekten entgegenwirkt, während niedrige Stiumuli das Gegenteil bewirken.

Eben diese Bitterstoffe erklären auch, warum Andorn schon immer bei Verdauungsbeschwerden oder Appetitlosigkeit verwendet wurde. Sie regen den Gallefluss an und fördern die Bildung von weitern Verdauungssekreten.

FĂĽr die Anwendung des „Lungendanks“ verwendet man die oberen, blĂĽhenden Sprossspitzen in unterschiedlichen Kombinationen z. B. wie oben schon erwähnt mit Fenchel oder Dill. Das hat sicher auch geschmackliche GrĂĽnde…..

FAZIT:

Gerade in diesen Zeiten schadet es nicht, ein weiteres Pflänzchen zu kennen, das unserer LUNGE helfen kann.

Wie immer gilt:

Jeder handelt auf eigene Verntwortung, erntet nur was er sicher kennt und verwendet nur was er sicher verträgt. Andorn gibt es auch in der Apotheke zu kaufen.

 

 

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